Thermoselect Powerplant

Germany | Documentary | 2013

  • LocationAnsbach, Germany
  • Date2013
  • CategoryDocumentary
  • ObjectPower Plant
  • TextJonathan Danko Kielkowski
  • ImagesJonathan Danko Kielkowski
  • HistoryAbandoned Thermoselect Power Plant Construction Site

Das neue Müllverbrennungsverfahren Thermoselect soll allen herkömmlichen weit überlegen sein. „Die vollständige Umwandlung der Abfälle in Energie und Rohstoffe, gleichzeitig eine drastische Minderung von Emissionen, das alles in kleinen, kostengünstigen Anlagen. Das Prinzip ist einfach: Der Müll wird unter hohem Druck in Ballen gepresst und erhitzt, das dabei entweichende Gas zum weiteren Aufheizen genutzt. Bei einer Hitze von 1 200 Grad Celsius werden entstehende Dioxine und Furane fast restlos zerstört. Auf dem Höhepunkt der Prozesstemperatur, bei 2 000 Grad Celsius, fließen die übrigbleibenden Mineralstoffe und Metalle als Schlacke ab. Es entsteht ein glasartiges Granulat, das im Straßenbau verwendet werden kann. Allerdings ist zur Zeit nicht absehbar, ob die politischen Gremien dem zustimmen werden. In Karlsruhe hingegen steht dem Baubeginn nichts mehr im Wege; selbst eine Klage der Grünen wegen technischer Details hat zunächst keine aufschiebende Wirkung….

In den 90er Jahren wurde die Anlage als technisches Meisterwerk, Wunder und Ei des Columbus gefeiert, als Superofen, der die Luft nicht verpestet, der Müllhalden in Rohstoffberge verwandelte und nebenbei noch ganze Siedlungen beheizen konnte.

Die erste ihrer Art in Deutschland wurde in Karlsruhe hochgezogen. Mit dem Bau einer zweiten wurde kurz darauf Anfang 2000 in Ansbach begonnen.

Wie so oft kam es aber anders als es die verantwortlichen Lobbyisten und Politiker versprochen und erhofft hatten. Verbrannt wurde vor allem viel Geld. Thermoselect ist pleite. Die Anlage in Karlsruhe wurde nach unzählgen Pannen stillgelegt und die in Ansbach niemals fertig gestellt.

Nach dem Bau und der Inbetriebnahme der Pilotanlage in Karlsruhe kam es dort immer wieder zu massiven Problemen. Die Technik war alles andere als ausgereift und funktionsfähig. Deshalb verzögerte sich auch der Bau in Ansbach. Nach vielen Streitereien stellte die Schweizer Firma 2002 die Arbeiten auf der Baustelle ein und kündigte im darauf folgenden Jahr den Vertrag mit Auftraggeber TAE, der Thermischen Abfallentsorgung Ansbach. Thermoselect und TAE verklagten sich ab dem Jahr 2004 gegenseitig.

 

Funktion und Aufbau der Anlage im Detail

Thermoselect Promo Video

Mittlerweile wurde Thermoselect zur Rückahlung von dem bereits erhaltenen Werklohn von knapp 13 Mio € für die Errichtung der Anlage an TAE verurteilt und verlor somit den Rechtsstreit vor Gericht. Da Thermoselect aber pleite ist, ist es mehr als ungewiss ob es jemals zu der Zahlung kommt.

Seit 2002 steht die Zeit auf dem über 50.000 Quadratmeter große Gelände bei Ansbach still. Baucontainer, Baumaterial, Werkzeug und Arbeitskleidung wurden zurückgelassen und die Natur erobert sich das Gelände zurück. Die Keller stehen meterhoch unter Wasser und die Zukunft des gut gesicherten Geländes ist nach wie vor ungewiss. Ein Abriss ist teuer, die Lage mitten im Nirgendwo unatracktiv.

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Als Fotograf soll mich dass aber nicht weiter stören. Ganz im Gegenteil. Ist hier doch über die Jahre eine atemberaubende Kulisse entstanden. Die Fassade der vom Schweizer Stararchitekt Mario Botta gebauten Anlage ist größtenteils verglast. Riesige Räume und Hallen sind lichtdurchflutet und erinnern an Glaspaläste vergangener Tage. Gerüste und Teile vom Dach lösen sich durch Wind und Wetter aus ihren Verankerungen und fallen krachend durch die Glasfassade zu Boden. Es gibt kaum Spuren die darauf hinweisen dass hier in den letzten Jahren Jemand war. Alles wirkt unberührt.

Fotos aus dem Jahr 2013

Veröffentlicht am 23.12.2016 von Jonathan Danko

Comments

  • Das schönste Foto ist der Handhubwagen, der komplett in Eis eingefroren ist. Thermoselect Ansbach gehört bestimmt zu den eindruckvollsten Lost Places. Ich erinnere mich noch gut an den Hype um Thermoselct in den 1990ern.

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